Ein Vorschlag aus der CDU stellt den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit infrage. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Warum Teilzeit für viele Menschen kein Lifestyle, sondern Ausdruck moderner Arbeitsrealitäten ist und weshalb der Vorstoß grundlegende Fragen nach Selbstbestimmung und Arbeitszeit aufwirft, beleuchtet dieser Beitrag.
Teilzeit nur noch in Ausnahmefällen?
In der CDU wird derzeit über eine Einschränkung des gesetzlichen Anspruchs auf Teilzeitarbeit diskutiert. Konkret fordert der Wirtschaftsflügel der Partei, das Recht auf Teilzeit künftig nur noch in „besonderen Fällen“ zu gewähren. Dazu zählen ausdrücklich weiterhin Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildung. Ziel des Vorschlags ist es laut CDU, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die insgesamt hohe Teilzeitquote in Deutschland zu senken
Deutschland weist im internationalen Vergleich tatsächlich eine überdurchschnittlich hohe Teilzeitquote auf. Ein wesentlicher Grund dafür ist jedoch, dass hierzulande viele Mütter in Teilzeit arbeiten, statt – wie in anderen Ländern – ganz aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen. Teilzeit ist damit ein zentrales Instrument zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und trägt zur hohen Erwerbsbeteiligung bei.
Fazit: Eine Regelung, die vor allem die „falschen“ trifft
Auch wenn Familienbetreuung und Pflege weiterhin als zulässige Gründe genannt werden, bleibt ein Kernproblem: Genau diese Gründe machen bereits heute den größten Teil der Teilzeit aus. Die geplante Neuregelung würde daher vor allem diejenigen einschränken, die bewusst nicht in Vollzeit arbeiten wollen – nicht aus Not, sondern aus Selbstbestimmung.
Warum sollte eine Partei Menschen vorschreiben, wie viele Stunden sie zu arbeiten haben, wenn sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern, Steuern zahlen und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen? Teilzeit pauschal als „Lifestyle-Entscheidung“ abzuwerten, verkennt die Vielfalt moderner Lebensentwürfe.
Zudem wirft der Vorschlag grundsätzliche Fragen auf:
Was ist mit Tarifverträgen, die bewusst auf eine 35-Stunden-Woche setzen? Gelten diese Arbeitszeiten künftig als unerwünschte Abweichung von der Norm? Und konsequent weitergedacht: Müssten dann auch Abgeordnete, Mandatsträger oder politische Funktionsträger zwingend Vollzeit arbeiten?
Der CDU-Vorschlag löst keinen Fachkräftemangel, sondern greift in die individuelle Freiheit ein. Statt Menschen zu mehr Arbeitszeit zu drängen, wäre es sinnvoller, Rahmenbedingungen zu verbessern, die freiwillige Mehrarbeit ermöglichen. Zwang ist kein modernes arbeitsmarktpolitisches Instrument – und schon gar kein arbeitnehmerfreundliches.
Quellenangabe
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/teilzeit-recht-debatte-100.html
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/teilzeit-cdu-vorschlag-plan-100.html